„We`re close!“

10 08 2010

Sodele, einige Zeit ist vergangen, seit meiner letzten Wortmeldung. Klar, es ist natuerlich angenehmer mit den 2 charmanten Begleiterinnen abzuhaengen, als im Internetcafe zu hocken. Ausserdem stecke ich noch mitten im Einspruchsverfahren mit dem Finanzamt betreffs meiner letzten Steuererklaerung und ein paar andere Sachen waren auch noch zu klaeren. Seit ich vor einer Woche meinen Memory-Stick zum ersten Mal aus der Hand gegeben habe, um als Sicherung Bilder auf eine CD brennen zu lassen, die ich dann nach Deutscheland schicke, habe ich zudem ein Problem, dass ich auf keine der Dokumente mehr Zugriff habe. Das kostet noch mehr Zeit, Problem bisher noch ungeloest. Deshalb gibts zu diesem Bericht auch keinen Newsletter, weil ich nicht an die Liste der Adressen komme. Das geht mir tierisch auf den Sack, zumal ich mich selbst durch alle verschiedenst eingestellten Computer gewurschtelt habe, spanische/portugiesische Anweisungen “befolgt” habe und sogar auf portugiesisch Programme runtergeladen und mit einem unbekannten Programm in derselben Sprache die Bilder ins Album hochgeladen habe. Und der Einheimische Mitarbeiter des Internetcafes schafft es, in 20 min. alles unbrauchbar zu machen. Das sind eben so die Probleme von Reisenden.

Vor gut 2 Wochen sind wir von Iquitos gestartet. Wieder mal mit dem langsamen Boot. Als Slowboat-Erfahrener und darueberhinaus ueber Grenzen hinaus bekannter Kavalier war es meine Aufgabe die Haengematten aufzuhaengen und auf Wunsch neu zu justieren. Erneut mehr Platz als auf dem Vorgaengerboot. An Bord Reiter (peruanischer Guide aus einem Dschungeldorf und Fellipa (Suedafrika) kennengelernt. Essen war passable, am ersten Tag Freundschaft mit Smutje Antonio geschlossen, der uns spaeter Wasser fuer unseren ersten selbst gebrauten Coca-Tee. 2 Naechte, dann im Dschungelkaff Lagunas abgesprungen. Nur 1 Tag geblieben, Dschungeltouren waren uns zu teuer. Abends in der Dorfkneipe der 15-jaehrigen Anita deutsch und englisch gelehrt, als wir auf das naechste Boot gewartet haben, das direct vor ihrer Kneipe haelt. 3 Riesenbier (die haben hier Satte 0,65l) verhaftet und spaet am Abend Toppdeck der Eduardo 5 geentert. Ganz, ganz viel Platz. Der Gerstensaft will natuerlich wohl verdaut sein und so war gegen 5.30 der Gang zu den Banos unvermeidlich. Was sich als Gluecksfall herausstellte, den so wurde meine letzte Nacht am/auf dem Amazonas mit einem herrlichen Sonnenaufgang beendet (siehe Bilder, die ich dann demnaechst mal hochlade). Abgerundet von einer Bande Delfine, die “a point” (wie der Franzose sagt) mit dem Erscheinen der knallroten Sonne aus dem Fluss gehuepft sind. In Yurimaguas Ticket fuer den Trip nach Tarapoto klargemacht. Es war noch Zeit und so war Kaffee im benachbarten Rest. Angesagt. Im gewohnten Tranquillo-Stil wurden wir gefuehlte Stunden nicht bedient und so haben wir uns die Zeit damit vertrieben Witze darueber zu machen, wie wir gleich einen beladenen Bus vom Hof fahren sehen, der unser Hab und Gut schonmal ans Ziel bringt, waehrend die Besitzer vergeblich auf den Café con Leche warten. Der geneigte Leser scheint zu ahnen, was die englisch-amerikanisch-schwaebische Reisegruppe als naechstes erlebte: Die Karre fuhr vollbepackt vom Hof. Da wir alle 3 recht entspannte Reisende sind, wurde erstmal der Kaffee genossen (was man bei der Qualitaet des hier credenzten “Kaffees” so als geniessen bezeichnen kann, dazu ein ander mal vielleicht mehr). In der Wartehalle grinsten und tuschelten die Locals schon entsprechend und die Angestellten wussten was passiert war. Erstaunlicherweise war nicht diskutieren angesagt, sondern per Telefon wurde mit dem Buero am Zielort alles klargemacht.

Nach ueber einem Monat im Amazonasgebiet sollte ich es dann also an diesem Tag verlassen.Beim Einsteigen bekam jeder eine Kotztuete ueberreicht und im Notsitz zwischen mir und Hannah hat dann auch die entsprechende Kandidatin Platz genommen. Kurvige Strasse und hier laufen immer Filme im Bus, was den Tuetenkonsum zusaetzlich unterstuetzt. Die Dame war eine der Konsumenten und Hannah bekamm als ihre Nebensitzerin zur Belohnung fuer eine Weile deren Kleinkind in die Hand gedrueckt. In Tarapoto ein gemuetliches 3er-Zimmer gefunden und nebenan einen Hamburger ohne Wecken mit dem wohl versalzendsten Fleisch meines Lebens gehabt.

Am naechsten Morgen mit Bus und abends por puesto (eine Art Sammeltaxi, das los faehrt, wenn alle Plaetze (puesto) besetzt sind) nach Chachapoyas weiter in die Anden vorgearbeitet auf ueber 2000m Hoehe. Nette kleine Stadt, in der wir 2 Naechte verbracht haben. Keine Besonderheiten, ausser dass Hannah sich den Magen verdorben hat (Forelle?). Naechstes Ziel war Tingo, wohin wir mit einem Coca-kauenden und aus dem Fenster rotzenden Fahrer gelangten. Ploetzlich waren wir da, ein Dorf irgendwo im Tal. Es faellt mehr auf, wenn man nach Oberndorf an der Oste oder Eckenweiler bei Rottenburg faehrt. Bei einem netten aelteren Herr wieder ein guenstiges 3er-Zimmer bekommen. Dorf-Restaurant, in dem die Preise immer zu schwanken schienen, je nach Laune. Hannah hat mir netterweise fuer ein Bier mein immer noch von den Ausfluegen zu den Angel-Falls in Venezuela und Dschungeltour bei Leticia verdrecktes Hemd gewaschen.

Fuer den naechsten Tag war die Wanderung zu den Ruinen des Dorfes Kuelap aus der Prae-Inka-Zeit (die Incas haben dieses Dorf 1470 erobert) angesagt. Streng bergauf, 1500 Hoehenmeter. Statt angesagter 3h haben wir 4,5h gebraucht. Oben angekommen gleich von Guides belagert, die behaupteten dass man Eintritt bezahlen muss und Karten nu rim Tickethaeusle weiter 20min-Fussmarsch entfernt (!!) zu erhalten sind. In schwaebischer Eroberermanier habe ich mir in einem Augenblick der Unachtsamkeit des Pauschaltourijaegers unter Einsatz meines Lebens und ohne Gebrauch des Mac Gyver-Kleinkrieg-Sets den Weg durch den engen Treppeneingang gebahnt und fand mich, nachdem ein weiterer Guia (Guide) gekonnt umzingelt wurde, auf den Mauern des Ruinen-Dorfes wieder. Leider war es jedoch nicht moeglich, die 3 Chickas (mittlerweile war noch Justine aus Frankreich dazugestossen) ohne Aufsehen zu erwecken reinzulotsen. So war unter Abwaegung aller strategisch in Betracht kommender Moeglichkeiten der geordnete Rueckzug die einzige vertretbare naechste Handlung. Gerne haetten wir die lokalen Menschen unterstuetzt. Aber da man uns nicht das Gefuehl gab, ehrlich behandelt zu warden, traten wir gerne den Weg auf der anderen Seite bergab (und danach wieder bergauf) ins Tickethauesle an, was die Maedels schmerzhafte Ueberwindung des inneren Schweinehundes und mich einen weiteren kleinen Sonnenbrand gekostet hat. Dort gleich ein Taxi fuer 17.30 zurueck ins Tal nach Tingo bestellt, da die Damen nicht mehr zurueck latschen wollten und es auch zu spaet war, um bei Tageslicht wieder runter zu kommen. Ruine angekuckt. Taxi zurueck ins Dorf war allerdings nicht vorzufinden. Also rumfragen und so gabs eine Gratis-Mitfahrgelegenheit bei einem Ami und seinem peruanischen Kumpel, die in Peru arbeiten.

Als Belohnung fuer den harten Marsch gabs Bier zum Essen und danach Himbeer- und Milchlikoer (durchsichtig!!), den Sadie und ich in Chachapoyas auf einer kleinen Messe regionaler Spezialitaeten gekauft haben, weil wir mal wieder nicht widerstehen konnten, etwas zu kaufen, das wir nicht kennen. Speziell auf Maerkten kaufen wir am Liebsten Dinge die moeglichst exotisch sind und deren Namen wir nicht kennen. Und in diesem Fall gabs auch noch Prozente dazu. Am naechsten Tag standen die Sarkophage (oder wie auch immer man das schreibt) auf dem Programm, sie nicht so bekannt sind. Mit dem Collectivo (Sammelkleinbus) irgendwo an der Talstrasse rausgelassen und losgelatscht, Richtung dem Kaff, von wo aus man hinlaufen kann. Peruaner haben uns mitgenommen mit ihrem Pickup fuer 10 Soles (ca. 3 Euronen). Im Dorf beim Verantwortlichen fuer die archaeologischen Staetten in der Umgebung gelandet, man darf nur mit Fuehrer dorthin, wieder ein sehr bergiger knapp 2h-Marsch (in lokaler Zeiteinheit 1h 20min). Dort gabs neben den Sarkophagen aus dem 10-12. Jhdt. auch noch Konstruktionen am Hang gegenueber zu sehen,wo Mumien in die Gemaeuer im Berg gesteckt wurden. Wieder zurueck im Dorf waren “unsere” Peruaner bei einer “Wahlpartie” (Saufen?) in irgendeinem Haus mit fettem Lautsprecher vor der Tuer und lauter Mugge. (Unser Guia Edwin kandidierte fuer die bundesweite Wahl in Peru am 03.10. fuer die “Fuerza Amazonense”) Der Faher hat im Pickup gepennt. Sie haben uns vom Dorf dann wieder zur Hauptsrasse im Tal gebracht. Es war schon spaet und man hat uns schon prophezeit, dass es schwer warden wuerde, ein Taxi, Collectivo oder Mitfahrgelegenheit nach Tingo zu bekommen. So wars dann auch, keiner wollte uns mitnehmen, kann ja auch gefaehrlich sein, jemand in der Nacht mitzunehmen. Ca. 17.30 losgelatscht und so waren wir gegen 20 Uhr wieder in Tingo. MeinLieblingssatz war mittlerweile “We`re close” und da die Maedels das beim Trip am Tag davor schon recht oft gehoert haben, war das Ganze auch nicht mehr sehr glaubwuerdig. Die Tage darauf sind wir nach Leymebamba (sehr nettes Dorf in den Bergen), wo wir ein Museum ueber die Geschichte der Menschen an der Laguna de Condores, die in der Naehe des Dorfes liegt, angekuckt. Frische Milch direct von der Abfuellfabrik gekauft und dort vor dem Gebauede gefruehstueckt auch in Leymebamba.

Danach fuer eine Nacht nach Celendin. Die Fahrt dorthin ist laut Lonely Planet (viele Backpacker halten diesen Fuehrer ja fuer die Bibel, wir haben mittlerweile einen Spitznamen, den ich hier aus rechtlichen Gruenden nicht veroeffentlichen kann) auf der “troucherous road” (Schreckliche Strasse), war aber nicht ganz so schlimm und wir hatten einen guten Fahrer. Die Rueckbaenkler direct hinter uns haben aber trotzdem einige Tueten konsumiert (Achtung, Wortspiel, hahaha). Mittlerweile sind wir 2 Tage in Cajamarca gewesen. Hier wurde einer der beiden Incabrueder, die von ihrem Vater das Reich geteilt bekommen haben und sich dann bekaempft haben, vom spanischen Eroberer Francisco Pizarro festgehalten und am Ende auf der “Plaza del Armas” exekutiert. Weitere historische Dinge haben wir hier besichtigt, die ich dann mal vielleicht im Album beschreibe. In meinen “Unterlagen” gibt es sicherlich noch einiges Erzaehlenswertes zu finden. Bei Gelegenheit! Jedenfalls hatte ich ausgerechnet im Bergdorf Chachapoyas die erste warme Dusche meiner Reise und bis zum ersten Waschgang seit Wochen konnte der Rock am Ring- Unterhosen-nicht wechseln-Rekord vielleicht fuer immer bestehend deutlich uebertroffen werden. Heute haben wir uns ein Busticket fuer die morgige Fahrt in die Grossstadt Chiclayo (an der Kueste) gekauft. Dort verbringen wir noch ein paar Tage zusammen und dann reisen alle wieder alleine weiter. Ich Richtung Sueden. Dort habe ich ein kleines Fischerdorf ausfindig gemacht, wo ich wenn`s schoen ist 1-2 Wo. bleiben will, wieder mehr Kontakt zu den Einheimischen pflegen und wenns klappt, surfen lernen moechte. Gruessle aus Cajamarca. Wetter jeden Tag sonnig, kurze Hose, abends lang und VfB-Pulli. aber angenehm, da 2700 Hoehenmeter, Luftfeuchte unbekannt aber jedenfalls nicht stoerend. Es ist hier Winter.



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