Ole, wir fahr`n in Puff nach Trujillo

29 08 2010

Sodele, wieder mal eine Geschichte, nachdem ich Euch ueber den letzten Artikel und  Bilder vergessen habe zu informieren. Vergangenen Montag bin ich also nach einer Woche Urlaub am Strand weiter nach Trujillo gereist. Das hat auch locker geklappt. In Puerto Chicama in einen kleinen Bus steigen und 1,5h spaeter in Trujillo an irgendeinem Terminal aussteigen, Richtung Zentrum laufen und eine billige Absteige klarmachen. Sollte ja nur fuer max. 2 Naechte sein (auch wenns dann am Ende doch 3 waren). Dennoch war es ein durchwachsener Tag, nach Ankunft musste ich feststellen, dass jetzt schon zum zweiten Mal ein kleines Loch im Rucksack war. In den Bergen ein paar Wochen frueher wurde schonmal eins geflickt. Auf dem Mercado Central in Trujillo konnte ich erstaunlicherweise erstmalig einen gut gebruehten Kaffee kaufen. Richtig aus gemahlenem Kaffee hergestellt. Wahrscheinlich aus ueberschwenglicher Freude hab ich mir dann spontan eine ordentliche Ladung davon ueber das nach Waschen erstmals getragene Hemd geleert. Spaeter gleich zur Tat und die in Cajamarca erworbene Reisewaschseife zur Hand und anfangen zu rubbeln. Den Kaffee hab ich wohl im Grossen und Ganzen rausgeschruppt bekommen. Leider damit auch gleich ordentlich von der Farbe des Hemds mitweggerubbelt. Sauber, der ausgebleichte Streifen erinnert wohl noch eine Weile an den Kaffee.

Abends dann Bisle im Staedtle rumgetingelt und bei einer kleinen Prozession haengen geblieben, wo sie die auf einem Wagen beleuchtete “Virgen del Otuzco” gepriesen haben. Ein Peruaner (Marcos) hat mich angelabert und nach kurzem Smalltalk vorgeschlagen, mit ihm und seinem Kumpel (Name vergessen, ab hier “der Kumpel” genannt) einen Trinken zu gehen. Perfekt, der Plan war sowieso, in eine Bar zu gehen und vielleicht ein paar Einheimische zu treffen. Sind in eine nahegelegene Kneipe und haben Bier und eine Flasche Pisco (suedamerikanischer Grappa, von dem sowohl die Chilenen als auch die Peruaner behaupten, ihn erfunden zu haben) klargemacht, waehrend am Nebentisch ein Einheimischer gerade ein Gringo-Maedel klargemacht hat. Der Kumpel hat erzaehlt, dass er am naechsten Morgen nach Ecuador fliegt und noch Geld wechseln muss. Deshalb ist er eine ganze Weile losgezogen, um jemand zu finden, weil anscheinend alle Wechselbuden schon zu hatten. Unterdessen haben Marcos und ich die Flasche Hochprozentigen so gut wie nur zu zweit verhaftet. Marcos hatte mir so allerhand Sprueche und Versautes in der Landessprache in mein Buechle geschrieben. Der Kumpel war mal eine zeitlang in Leipzig und hatte auch schon ein Bisle seiner beachtlichen Deutsch-Kenntnisse zum Besten gegeben: “Lecker, lecker Arsch.” Mich hatte der Kumpel auch angehauen, ob ich ihm nicht Dollars wechseln koennte. Das Ganze kam mir aber etwas spanisch vor (Achtung, Wortspiel!) und so hab ich behauptet, dass mit meiner Karte abheben in Dollar hier nicht moeglich sei (Man kann hier bei manchen Banken auch Dollars abheben, auch mit meiner Karte). Ein paar Minuten hin und her, die Jungs hatten das Gegenteil behauptet (…und hatten ja Recht), aber die Diskussion war dann beendet. Der Plan war dann, weiterzuziehen in einen Schuppen, schliesslich war ja heute in der ganzen Stadt anscheinend Party angesagt, wegen der Heiligen-Feier. Finanzielle Mittel waren natuerlich fuer eine derart grosse Nacht nicht eingeplant (geh ja immer mit moeglichst wenig Geld aus dem Haus) und so haben wir mit dem Taxi kurz in meinem Hostal Halt gemacht, die Typen haben im Taxi gewartet. Weiter geduest, einen Schuppen hinter einer riesen Stahltuer abgecheckt. Der Kumpel hat mit dem Typen vor dem Laden geschwaetzt. War wohl nix, also weiter. Naechster Halt vor ein paar Laeden, wovon von einem die einladende Leuchtreklame “El Eden” (…) runterschimmerte. Aha! Zur einen Tuer (El Eden) hat der Kumpel nur kurz reingekuckt, rein sind wir dann 1 Tuer weiter, wo uns auch schon eine leichtbekleidete Dame gerne empfangen hat. Alles klar, willkommen im Puff!

Sogleich wurden 2 leichte Maedels her zitiert. Bussi bussi und schwuppdiwupp eine neben mir auf dem Sofa und ihren Arm um meine Schulter. Na toll, da freut man sich drauf, sich mit ein paar Einheimischen im Schuettelschuppen die Lampen auszugiessen (wie der Niedersachse sagt) und ein paar verrueckte Moves aufs Parkett zu legen und findet sich in einem dunklen Etablissement mit mittelklassigen Chickas (laut Marcos Klasse 3) wieder. Es war natuerlich auch nix los, Montag Abend und die Besucher der Prozession sind ja wohl auch nicht die klassischen Kunden fuer dieses Lokal. Die Frage fuer mich war allerdings: “Wie bekomm` ich moeglichst elegant die Dame neben mir wieder los?”. Ganz unverbindlich hab ich ihr ja als Erstes die Information uebermittelt, dass ich nur wenig spanisch schwaetz`. Da hat sie sich sicherlich gedacht: “Ach, das macht hier doch nix!” Nach dem Austausch der Namen war ihr 2. Satz die Ansage, ihr doch etwas zu trinken zu bestellen. Da war es dann Zeit wie automatisch in den Dummergringonixverstehenundausserdemschuechtern-Modus zu gehen, was mich so langsam in eine bessere “Verhandlungs”-Position brachte. Um das Ganze noch dingfest zu machen, half dann noch nichts und nichts als die Wahrheit und in betont langsamen Spanisch erklaerte ich Marcos, dass ich fuer Frauendienste nicht bezahle. Unterdessen hat sich die Lady dann vom Acker gemacht und ich konnte mich wieder entspannt zuruecklehnen und mein Bier selber trinken. Der Kellner hat sich darueber dann noch amuesiert, als er mal wieder Bier vorbei gebracht hat.

Der Kumpel wollte mit mir dann noch 2 Fuffziger in einen Hunni tauschen, was mich noch gewundert hat, weil man hier immer versucht, moeglichst kleine Scheine zu haben, weil oft kein Wechselgeld vorhanden ist. Irgendwann spaeter ist der Kumpel dann verschwunden und Markus hat behauptet, er musste los, weil er Koks brauchte. Spaeter sind wir dann auch gegangen. Leicht verkatert am naechsten Morgen aufgestanden, nur Katzenwaesche und nicht duschen (weil die Banos hier so abgefuckt waren=Preis mit 10 Soles unschlagbar). Ab zum Mercado und Kaffee, frisch gemixten Saft und einen Wecken mit ordentlicher Scheibe Schweinebraten bestellt. Beim Bezahlen dann die boese Ueberraschung: Falscher Fuffziger. Der Verdacht, dass der andere nachts getauschte 50er auch falsch war, hat sich kurz spaeter bestaetigt bei einem Probekauf. Zum Glueck hab ich den gleich beim Fruehstueck eingesetzt, weil spaeter eine Stunde zu einem Museum (Chan Chan) gelatscht, wo ich den eigentlich benutzen wollte. Zum Mercado musst ich dann spaeter nochmal zurueck, nachdem ich im Hostal echtes Geld geholt hab und mit beiden 50ern Probekaeufe gemacht hab. Bearbeitung in der Hosentasche hat die beiden 50er spaeter auch nicht echter aussehen lassen. Im Gegenteil, mittlerweile sind sie angerissen, ausgebleicht,…

Deshalb waren die Jungs wohl so scharf aufs Wechseln und Gott sei Dank bei der Dollartauschaktion instinktiv (und wohl auch aus Prinzip) nicht mitgemacht. Fuer ein Bisle Geld haben sie mich dann eben doch erwischt, was solls. Dafuer gabs eine grosse, witzige Nacht, Spanisch ueben und nicht zuletzt auch guten Grund zukuenftig auch neuen “Freunden” ohne zu Luegen beim Dollar tauschen o.ae. nicht zu helfen. Und was fuer Geschichten sollt` ich sonst hier schreiben.

Als Kontrastprogramm besuchte ich dann am Folgetag die Chan Chan-Staette (Stadt der Chimakultur (Prae-inka)) inkl. kleinem Museum und hauptsaechlich mit dem Palast Nik An. Fuer abends war ich mit Marcos verabredet und ich war neugierig, ob die Typen wieder auftauchen und hab mich auf die Diskussion gefreut. Leider war ich abends aber zu lang auf Busticketsuche, weil die Ortsangabe fuer eines der Busunternehmen deutlich schlechter als “mas o menos” war und ich so 1,5h durch die Randbezirke des Zentrums gelatscht bin. Um dann zu erfahren, dass diese Firma mich auch nicht auf dem Weg zwischen trujillo und der Hauptstadt Lima in einer der kleineren Staedte rauslaesst, von wo aus ich ja zu den Geheimtippruinen wollte. Dafuer gabs dann gegenueber der Firma eine kleines Familien-Restaurant, das Volleyball (Suedamerika-Cup der minderjaehrigen Maedels) gezeigt hat. Ausserdem hab ich so am naechsten Tag zufaellig wieder Hannah getroffen (eins der Maedels mit denen ich ein paar Wochen gereist bin) und in ihrem Reisefuehrer nachgelesen, dass die Ruinen woanders sind:  Von Barranca aus kommt man da hin. Man hat mich an der Kreuzung der Panamericana, lockere 2km vom Zentrum entfernt, rausgelassen (Suche am anderen Tag war dann ungefaehr bei der 10ten Firma erfolgreich). Beim Reinlaufen hat ein Gelaendewagen ueberholt und ein huebsches, junges Maedel hat freundlich raus- und ich natuerlich reingelaechelt. Die Fahrerin war eine Amerikanerin, die fuers Jesuitencolegio arbeitet und sie haben mich ein Stueck mitgenommen. Am Tag darauf die Ciudad Caral, aelteste Stadt Amerikas angekuckt, ca. 300 vor Chr. Dazu gibts demnaechst auch Bilder. Und ich war der einzigste Gringo, jaaaa.

Heute bin ich nach Lima, Hauptstadt von Peru, gekommen und im Zentrum aus dem Bus. Den urspruenglichen Plan ein Taxi zu nehmen ueber Bord geworfen, da es mitten am Tag war und ich die ungefaehre Richtung ins Hostal wusste, das mir die uruguanisch-australische Nathalie (mit deutschem Nachnamen) empfohlen hat. Also meinen Einheimischen-Sack mit Rucksack drin geschultert, meine Einheimischen-Einkaufstasche geschnappt und um ein paar Ecken gelaufen zur naechstgroesseren Strasse mit der richtigen Richtung und ratz-fatz ohne Warten in einen wenig besetzten Stadtbus gehopst. Der “Kontrolleur” hats mir an der richtigen Stelle gesagt und mit 5 min. Fussmarsch war ich dann beim Hostal, mitten im Touriviertel Miraflores fuer dafuer super Preis. Nach den vielen Geheimtipp-Orten ein kleiner Kulturschock hier: Viele, viele Gringos, zig Casinos (anscheinend mit frei saufen und Zigaretten), Nobelhotels. Aber ist auch mal ganz nett. Beim Hostaleigner ueber die Erreichbarkeit der Fussballstadien und die Sicherheit der dortigen Gegenden informiert und jetzt geh ich morgen wohl nach Callao (Vor-Ort von Lima), wo im letzten Saisonspiel das Derby mit einem anderen Lima-Club steigt.

Adele aus Lima, es wird kuehler, da weiter suedlich.



Urlaub vom Urlaub

22 08 2010

Sodele, was wir uns in den Bergen so alles angekuckt haben, koennt Ihr dem Routenverlauf und den Bildern entnehmen. In Chiclayo haben sich unsere Wege getrennt und ich bin wieder alleine weitergereist. 2 Naechte in einem der beiden Surforte, Pacasmayo, dann weiter nach Puerto Chicama, von wo aus ich jetzt morgen nach einer Woche Urlaub vom Urlaub weiterreise. Die Woche jeden Tag den Strand auf und ab spaziert, relaxed, Surfer beobachtet, endlich regelmaessig joggen gegangen und mal wieder eine Kueche gehabt, um selber zu kochen. Fuer gewoehnlich gibts dann Pasta entweder mit Knoblauch-Oel oder Gemuesemix geduenstet, gebraten, gekocht in Oel.

Die Surfer (Wellenreiten) hab ich nur beobachtet. Die laufen ja mehr zurueck zu der Stelle, wo sie wieder ins Wasser gehen. Wenn sie dann mal drin sind, geht die Hauptzeit fuer paddeln und Welle suchen drauf. Ausserdem werd ich mich die naechsten Monate wohl kaum an Surfstraenden aufhalten und daher keine Gelegenheit zum trainieren haben. Und es kommen bestimmt noch Plaetze mit besseren Gelegenheiten.

Fuer die Leute, die ich hier getroffen hab´ (alle Surfer), ist das natuerlich unverstaendlich. Gewohnt hab ich in einem Hostal direkt an den Klippen oberhalb des Strandes beim verrueckten Eigner Jonny und seinen 3 Kumpels, mit denen er das Hostal betreibt.

Ein sehr gemuetlicher Ort, netter Strand, nur passionierte Surfer kommen hierher. Ab vom Touritrubel und das obwohl es hier die laengste und perfekteste „Links“-Welle der Welt gibt. Das auch nicht immer, aber waehrend meiner Woche hier gabs die Welle ein paar Tage lang.

Morgen gehts in die Grossstadt Trujillo fuer ein paar Naechte, dann weiter Richtung Sueden. Ein paar Stunden noerdlich von Lima gibts Ruinen, die aehnlich denen von „Macchu Picchu“ sind, aber weit weniger bekannt. Vielleicht komm´ich dort nach Trujillo hin.

Den Countdown im Blog hab´ich umgebastelt und er zaehlt jetzt die Reisetage.

Adele aus Puerto Chicama. Ca. 20 Grad, morgens wolkig, mittags garantiert sonnig, ab Sonnenuntergang wieder wolkig.



„We`re close!“

10 08 2010

Sodele, einige Zeit ist vergangen, seit meiner letzten Wortmeldung. Klar, es ist natuerlich angenehmer mit den 2 charmanten Begleiterinnen abzuhaengen, als im Internetcafe zu hocken. Ausserdem stecke ich noch mitten im Einspruchsverfahren mit dem Finanzamt betreffs meiner letzten Steuererklaerung und ein paar andere Sachen waren auch noch zu klaeren. Seit ich vor einer Woche meinen Memory-Stick zum ersten Mal aus der Hand gegeben habe, um als Sicherung Bilder auf eine CD brennen zu lassen, die ich dann nach Deutscheland schicke, habe ich zudem ein Problem, dass ich auf keine der Dokumente mehr Zugriff habe. Das kostet noch mehr Zeit, Problem bisher noch ungeloest. Deshalb gibts zu diesem Bericht auch keinen Newsletter, weil ich nicht an die Liste der Adressen komme. Das geht mir tierisch auf den Sack, zumal ich mich selbst durch alle verschiedenst eingestellten Computer gewurschtelt habe, spanische/portugiesische Anweisungen “befolgt” habe und sogar auf portugiesisch Programme runtergeladen und mit einem unbekannten Programm in derselben Sprache die Bilder ins Album hochgeladen habe. Und der Einheimische Mitarbeiter des Internetcafes schafft es, in 20 min. alles unbrauchbar zu machen. Das sind eben so die Probleme von Reisenden.

Vor gut 2 Wochen sind wir von Iquitos gestartet. Wieder mal mit dem langsamen Boot. Als Slowboat-Erfahrener und darueberhinaus ueber Grenzen hinaus bekannter Kavalier war es meine Aufgabe die Haengematten aufzuhaengen und auf Wunsch neu zu justieren. Erneut mehr Platz als auf dem Vorgaengerboot. An Bord Reiter (peruanischer Guide aus einem Dschungeldorf und Fellipa (Suedafrika) kennengelernt. Essen war passable, am ersten Tag Freundschaft mit Smutje Antonio geschlossen, der uns spaeter Wasser fuer unseren ersten selbst gebrauten Coca-Tee. 2 Naechte, dann im Dschungelkaff Lagunas abgesprungen. Nur 1 Tag geblieben, Dschungeltouren waren uns zu teuer. Abends in der Dorfkneipe der 15-jaehrigen Anita deutsch und englisch gelehrt, als wir auf das naechste Boot gewartet haben, das direct vor ihrer Kneipe haelt. 3 Riesenbier (die haben hier Satte 0,65l) verhaftet und spaet am Abend Toppdeck der Eduardo 5 geentert. Ganz, ganz viel Platz. Der Gerstensaft will natuerlich wohl verdaut sein und so war gegen 5.30 der Gang zu den Banos unvermeidlich. Was sich als Gluecksfall herausstellte, den so wurde meine letzte Nacht am/auf dem Amazonas mit einem herrlichen Sonnenaufgang beendet (siehe Bilder, die ich dann demnaechst mal hochlade). Abgerundet von einer Bande Delfine, die “a point” (wie der Franzose sagt) mit dem Erscheinen der knallroten Sonne aus dem Fluss gehuepft sind. In Yurimaguas Ticket fuer den Trip nach Tarapoto klargemacht. Es war noch Zeit und so war Kaffee im benachbarten Rest. Angesagt. Im gewohnten Tranquillo-Stil wurden wir gefuehlte Stunden nicht bedient und so haben wir uns die Zeit damit vertrieben Witze darueber zu machen, wie wir gleich einen beladenen Bus vom Hof fahren sehen, der unser Hab und Gut schonmal ans Ziel bringt, waehrend die Besitzer vergeblich auf den Café con Leche warten. Der geneigte Leser scheint zu ahnen, was die englisch-amerikanisch-schwaebische Reisegruppe als naechstes erlebte: Die Karre fuhr vollbepackt vom Hof. Da wir alle 3 recht entspannte Reisende sind, wurde erstmal der Kaffee genossen (was man bei der Qualitaet des hier credenzten “Kaffees” so als geniessen bezeichnen kann, dazu ein ander mal vielleicht mehr). In der Wartehalle grinsten und tuschelten die Locals schon entsprechend und die Angestellten wussten was passiert war. Erstaunlicherweise war nicht diskutieren angesagt, sondern per Telefon wurde mit dem Buero am Zielort alles klargemacht.

Nach ueber einem Monat im Amazonasgebiet sollte ich es dann also an diesem Tag verlassen.Beim Einsteigen bekam jeder eine Kotztuete ueberreicht und im Notsitz zwischen mir und Hannah hat dann auch die entsprechende Kandidatin Platz genommen. Kurvige Strasse und hier laufen immer Filme im Bus, was den Tuetenkonsum zusaetzlich unterstuetzt. Die Dame war eine der Konsumenten und Hannah bekamm als ihre Nebensitzerin zur Belohnung fuer eine Weile deren Kleinkind in die Hand gedrueckt. In Tarapoto ein gemuetliches 3er-Zimmer gefunden und nebenan einen Hamburger ohne Wecken mit dem wohl versalzendsten Fleisch meines Lebens gehabt.

Am naechsten Morgen mit Bus und abends por puesto (eine Art Sammeltaxi, das los faehrt, wenn alle Plaetze (puesto) besetzt sind) nach Chachapoyas weiter in die Anden vorgearbeitet auf ueber 2000m Hoehe. Nette kleine Stadt, in der wir 2 Naechte verbracht haben. Keine Besonderheiten, ausser dass Hannah sich den Magen verdorben hat (Forelle?). Naechstes Ziel war Tingo, wohin wir mit einem Coca-kauenden und aus dem Fenster rotzenden Fahrer gelangten. Ploetzlich waren wir da, ein Dorf irgendwo im Tal. Es faellt mehr auf, wenn man nach Oberndorf an der Oste oder Eckenweiler bei Rottenburg faehrt. Bei einem netten aelteren Herr wieder ein guenstiges 3er-Zimmer bekommen. Dorf-Restaurant, in dem die Preise immer zu schwanken schienen, je nach Laune. Hannah hat mir netterweise fuer ein Bier mein immer noch von den Ausfluegen zu den Angel-Falls in Venezuela und Dschungeltour bei Leticia verdrecktes Hemd gewaschen.

Fuer den naechsten Tag war die Wanderung zu den Ruinen des Dorfes Kuelap aus der Prae-Inka-Zeit (die Incas haben dieses Dorf 1470 erobert) angesagt. Streng bergauf, 1500 Hoehenmeter. Statt angesagter 3h haben wir 4,5h gebraucht. Oben angekommen gleich von Guides belagert, die behaupteten dass man Eintritt bezahlen muss und Karten nu rim Tickethaeusle weiter 20min-Fussmarsch entfernt (!!) zu erhalten sind. In schwaebischer Eroberermanier habe ich mir in einem Augenblick der Unachtsamkeit des Pauschaltourijaegers unter Einsatz meines Lebens und ohne Gebrauch des Mac Gyver-Kleinkrieg-Sets den Weg durch den engen Treppeneingang gebahnt und fand mich, nachdem ein weiterer Guia (Guide) gekonnt umzingelt wurde, auf den Mauern des Ruinen-Dorfes wieder. Leider war es jedoch nicht moeglich, die 3 Chickas (mittlerweile war noch Justine aus Frankreich dazugestossen) ohne Aufsehen zu erwecken reinzulotsen. So war unter Abwaegung aller strategisch in Betracht kommender Moeglichkeiten der geordnete Rueckzug die einzige vertretbare naechste Handlung. Gerne haetten wir die lokalen Menschen unterstuetzt. Aber da man uns nicht das Gefuehl gab, ehrlich behandelt zu warden, traten wir gerne den Weg auf der anderen Seite bergab (und danach wieder bergauf) ins Tickethauesle an, was die Maedels schmerzhafte Ueberwindung des inneren Schweinehundes und mich einen weiteren kleinen Sonnenbrand gekostet hat. Dort gleich ein Taxi fuer 17.30 zurueck ins Tal nach Tingo bestellt, da die Damen nicht mehr zurueck latschen wollten und es auch zu spaet war, um bei Tageslicht wieder runter zu kommen. Ruine angekuckt. Taxi zurueck ins Dorf war allerdings nicht vorzufinden. Also rumfragen und so gabs eine Gratis-Mitfahrgelegenheit bei einem Ami und seinem peruanischen Kumpel, die in Peru arbeiten.

Als Belohnung fuer den harten Marsch gabs Bier zum Essen und danach Himbeer- und Milchlikoer (durchsichtig!!), den Sadie und ich in Chachapoyas auf einer kleinen Messe regionaler Spezialitaeten gekauft haben, weil wir mal wieder nicht widerstehen konnten, etwas zu kaufen, das wir nicht kennen. Speziell auf Maerkten kaufen wir am Liebsten Dinge die moeglichst exotisch sind und deren Namen wir nicht kennen. Und in diesem Fall gabs auch noch Prozente dazu. Am naechsten Tag standen die Sarkophage (oder wie auch immer man das schreibt) auf dem Programm, sie nicht so bekannt sind. Mit dem Collectivo (Sammelkleinbus) irgendwo an der Talstrasse rausgelassen und losgelatscht, Richtung dem Kaff, von wo aus man hinlaufen kann. Peruaner haben uns mitgenommen mit ihrem Pickup fuer 10 Soles (ca. 3 Euronen). Im Dorf beim Verantwortlichen fuer die archaeologischen Staetten in der Umgebung gelandet, man darf nur mit Fuehrer dorthin, wieder ein sehr bergiger knapp 2h-Marsch (in lokaler Zeiteinheit 1h 20min). Dort gabs neben den Sarkophagen aus dem 10-12. Jhdt. auch noch Konstruktionen am Hang gegenueber zu sehen,wo Mumien in die Gemaeuer im Berg gesteckt wurden. Wieder zurueck im Dorf waren “unsere” Peruaner bei einer “Wahlpartie” (Saufen?) in irgendeinem Haus mit fettem Lautsprecher vor der Tuer und lauter Mugge. (Unser Guia Edwin kandidierte fuer die bundesweite Wahl in Peru am 03.10. fuer die “Fuerza Amazonense”) Der Faher hat im Pickup gepennt. Sie haben uns vom Dorf dann wieder zur Hauptsrasse im Tal gebracht. Es war schon spaet und man hat uns schon prophezeit, dass es schwer warden wuerde, ein Taxi, Collectivo oder Mitfahrgelegenheit nach Tingo zu bekommen. So wars dann auch, keiner wollte uns mitnehmen, kann ja auch gefaehrlich sein, jemand in der Nacht mitzunehmen. Ca. 17.30 losgelatscht und so waren wir gegen 20 Uhr wieder in Tingo. MeinLieblingssatz war mittlerweile “We`re close” und da die Maedels das beim Trip am Tag davor schon recht oft gehoert haben, war das Ganze auch nicht mehr sehr glaubwuerdig. Die Tage darauf sind wir nach Leymebamba (sehr nettes Dorf in den Bergen), wo wir ein Museum ueber die Geschichte der Menschen an der Laguna de Condores, die in der Naehe des Dorfes liegt, angekuckt. Frische Milch direct von der Abfuellfabrik gekauft und dort vor dem Gebauede gefruehstueckt auch in Leymebamba.

Danach fuer eine Nacht nach Celendin. Die Fahrt dorthin ist laut Lonely Planet (viele Backpacker halten diesen Fuehrer ja fuer die Bibel, wir haben mittlerweile einen Spitznamen, den ich hier aus rechtlichen Gruenden nicht veroeffentlichen kann) auf der “troucherous road” (Schreckliche Strasse), war aber nicht ganz so schlimm und wir hatten einen guten Fahrer. Die Rueckbaenkler direct hinter uns haben aber trotzdem einige Tueten konsumiert (Achtung, Wortspiel, hahaha). Mittlerweile sind wir 2 Tage in Cajamarca gewesen. Hier wurde einer der beiden Incabrueder, die von ihrem Vater das Reich geteilt bekommen haben und sich dann bekaempft haben, vom spanischen Eroberer Francisco Pizarro festgehalten und am Ende auf der “Plaza del Armas” exekutiert. Weitere historische Dinge haben wir hier besichtigt, die ich dann mal vielleicht im Album beschreibe. In meinen “Unterlagen” gibt es sicherlich noch einiges Erzaehlenswertes zu finden. Bei Gelegenheit! Jedenfalls hatte ich ausgerechnet im Bergdorf Chachapoyas die erste warme Dusche meiner Reise und bis zum ersten Waschgang seit Wochen konnte der Rock am Ring- Unterhosen-nicht wechseln-Rekord vielleicht fuer immer bestehend deutlich uebertroffen werden. Heute haben wir uns ein Busticket fuer die morgige Fahrt in die Grossstadt Chiclayo (an der Kueste) gekauft. Dort verbringen wir noch ein paar Tage zusammen und dann reisen alle wieder alleine weiter. Ich Richtung Sueden. Dort habe ich ein kleines Fischerdorf ausfindig gemacht, wo ich wenn`s schoen ist 1-2 Wo. bleiben will, wieder mehr Kontakt zu den Einheimischen pflegen und wenns klappt, surfen lernen moechte. Gruessle aus Cajamarca. Wetter jeden Tag sonnig, kurze Hose, abends lang und VfB-Pulli. aber angenehm, da 2700 Hoehenmeter, Luftfeuchte unbekannt aber jedenfalls nicht stoerend. Es ist hier Winter.